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Betrugsprozess gegen den Radprofi Stefan Schumacher vor dem LG Stuttgart

Pressemitteilung des ehemalige Team-Chefs des Team Gerolsteiner Hans-Michael Holczer:

Ich habe nachstehend infolge zuletzt unhaltbarer Berichte in Bezug auf meine Person und meine

angeblichen Aussagen, im Zusammenhang mit einer Anfrage der dpa zu einem TV-Beitrag im WDR

von Seppelt/Loke, im Zuge des Strafverfahrens gegen Stefan Schumacher wegen des Vorwurfs des

Betrugs, mit meinem Rechtsanwalt Herrn Höss eine Klarstellung verfasst, die ich hiermit Ihnen

ebenfalls zugänglich machen möchte.

Stellungnahme zu WDR Sport Inside vom 6.5.2013 „Zeuge der Anklage“:

Die betreffende Sendung des WDR und der Beitrag von Hajo Seppelt und Ulrich Loke wirft

insbesondere für den unbefangenen Beobachter mit Hintergrundkenntnissen einige Fragen

hinsichtlich der Auswahl der dort gezeigten Interviewpartner und Quellen auf. Die Auswahl der

betreffenden Quellen sowie die Aussage des Grundtenors des Beitrags scheint möglicherweise unter

Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflichten getroffen worden zu sein. Insbesondere jedoch der

Schluss des Beitrags mit der betreffenden Fragestellung, auf die sich nun auch die hier vorliegenden

Fragen beziehen, sind mit meiner über meinen Anwalt abgegebenen Stellungnahme und den dem

WDR vor Ausstrahlung der Sendung vorliegenden Unterlagen nicht zu vereinbaren.

Hätte hier ein objektiver und tatsächlich kritischer journalistischer Beitrag vorgelegen, hätte es das

Gebot der Fairness erfordert, dass mir selbst eine Plattform zur Darstellung meiner eigenen

Wahrnehmungen und Aussagen geboten worden wäre, anstatt mich lediglich gegen erhobene

Vorwürfe verteidigen zu lassen, deren konkreter und umfassender Inhalt mir zu keiner Zeit bekannt

gemacht wurden und die offenkundig weder der Wahrheit entsprechen, noch authentisch zu sein

scheinen, sondern vermutlich einer andernorts entwickelten Strategie mit klarer Zielsetzung

entspringen.

Die im Beitrag erwähnten Unterlagen wurden mir für die Abgabe einer Stellungnahme nicht zur

Kenntnis gebracht - dies bezieht sich insbesondere auf eine E-Mail des Herrn Dr. Mark Schmidt an

Herrn Rechtsanwalt Dr. Lehner, so dass ich mich hierzu mangels Kenntnis des Inhalts bis heute nicht

äußern konnte. Ferner ein weiteres Dokument auf dem Daten zum Blutbild eines Athleten zu sehen

sein sollen und auf dem handschriftlich hinzugefügt sei "Hallo Hans + Renate, bitte an (...) weiterleiten!

!!! wichtig !!!" und im folgenden "Die Kur habe ich heute, nach 16 Tagen, abgeschlossen. Deshalb

Blutwerte mitmachen?", wurden mir auch auf Anforderung nicht übermittelt, als dass sich hierzu hätte

Stellung nehmen können. Zu letzterem Dokument wurde dann noch seitens des WDR, nachdem

meine Stellungnahme bereits abgegeben war, folgendes mitgeteilt:

2

Am 05.05.2013 um 01:45 schrieb "Ulrich Loke" <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! >:

Sehr geehrter Herr Höss,

vielen Dank für die Antworten. Wir müssen in einem Punkt aufgrund eines Fehlers in der Übermittlung

an uns modifizieren:

Die Daten zum Blutbild eines Athleten mit dem handschriftlichen Zusatz "Hallo Hans + Renate, bitte

an (...) weiterleiten!!!wichtig!!!" befinden sich nicht auf dem selben Dokument wie der Text "Die Kur

habe ich heute, nach 16 Tagen, abgeschlossen. Deshalb Blutwerte mitmachen?", sondern auf einem

zweiten Dokument, von der selben Person verfasst.

Ist Ihre Antwort in Bezug auf die zwei Dokumente inhaltlich gleich?

Viele Grüsse

Uli Loke

Mithin sollen plötzlich sogar – und somit den Kontext wohl völlig verändernd - zwei verschiedene

Dokumente vorgelegen haben und dies soll beim WDR übersehen worden sein. Hieran wird bereits

ersichtlich, in welcher Weise die journalistischen Sorgfaltspflichten beim WDR behandelt werden und

auf und zu was ich mich letztlich äußern sollte.

Der Beitrag des WDR Sport Inside ist schlicht unseriös, tendenziell und einseitig. Walter Mayer habe

ich ein einziges Mal in meinem Leben 2001 gesehen und kaum 3 Minuten mit ihm im Beisein von

Fahrern und Personal beim Abendessen gesprochen. Er war vermutlich auch 2005 im Teamhotel wie

mir unser Physiotherapeut Peter Raffeiner im Jahr 2008 berichtete. Stefan Matschiner habe ich im

August 2008 zu einem Smalltalk am Rande der Deutschland-Tour getroffen. Danach habe ich noch

einmal im September 2008 im Zusammenhang mit einem Fernsehauftritt von Kohl kurz mit ihm

telefoniert.

Gerade auch Bernhard Kohl, der sich im WDR offenbar ebenfalls wohl durch einseitige Fragen

aufgestachelt hinreißen lässt zu fabulieren, hat so viele Aussagen zu diesem Themenkreis bereits

getätigt, dass ich hier ein authentisches Schriftstück hinzufüge, welches inhaltlich in Bezug auf meine

Haltung eindeutig ist. Seine Ansprache an mich ist ein unmittelbares und beredtes Zeugnis aus dem

sich die Öffentlichkeit wiederum gerne selbst ein unkommentiert originäres Bild von den tatsächlichen

Verhältnissen seinerzeit machen kann:

Von: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! [mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ]

Gesendet: Dienstag, 28. Juli 2009 10:33

An: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Betreff: Frage

Hallo Hans,

Hast du diese Meldung gelesen??

dpa

Bei 15 Radprofis der ersten 20 der vergangenen Tour de France werden

nachträgliche Doping-Kontrollen vorgenommen. Das kündigte die

Französische Anti-Doping-Agentur AFLD am Sonntag an. Nach

Informationen der *L'Équipe* sollen die Blutproben von 15 Fahrern auf

das Blut-Doping-Mittel CERA, über das im Vorjahr bereits vier Fahrer

stolperten, nachuntersucht werden.

Rechnet man den 2008 drittplatzierten Österreicher Bernhard Kohl, der

bereits überführt und geständig war, aus dem Kreis der ersten 20 ab,

3

schrumpft die Zahl auf 19 Fahrer. Neben Kohl war auch dessen

Gerolsteiner Team-Kollege Stefan Schumacher positiv auf CERA getestet

worden.

Laut AFLD sollen die Analyse-Ergebnisse spätestens im Oktober

vorliegen, Namen nannte die Agentur nicht. Beim Start der bisher

dopingfreien Tour 2009 haben die entsprechenden Fahrer laut AFLD

entsprechende Schreiben erhalten.

Da bin ich mal echt gespannt, ob die das ernst meinen oder ob es nur ein Bluff ist!?

Eine andere Frage Bitte hätte ich noch: Auch wenn natürlich die ganze letzte Tour und meine Erfolge auf Lügen

und Doping aufgebaut und sehr schmerzhaft waren(speziell auch für dich(euch)), waren es doch auch

wunderschöne Erlebnisse während der Tour, die ich nicht missen will! Ich kann mir auch vorstellen, dass es dir

die vielleicht ähnlich geht, auch wenn die Enttäuschung verständlicherweise sehr groß ist. Zumindest bei mir ist

es so, dass ich mich schon gerne an die gemeinsamen schönen Stunden der letzten Tour denke.

deswegen wollte ich dich fragen, ob du mir bei dem Filmmaterial der Skoda Werbespots weiterhelfen könntest.

Hast du vielleicht einen Kontakt wo ich diese Spots( viel. sogar das Rohmaterial) bekommen könnte?(auch gegen

bezahlung) Oder hast du dieses vielleicht selber schon??

Wäre echt eine tolle Sache,

besten Dank

Liebe Grüsse Koxi

Interessanterweise hat Bernhard Kohl im Jahr 2009 nicht nur mir gegenüber mehrfach berichtet, wie

vermeintlich „praktisch“ CERA doch gewesen sei: Nicht nachweisbar und wesentlich langzeitiger

wirkend als EPO, so dass man zu Hause alles erledigen konnte und während der Tour nichts mit sich

führen musste.

Was ist das danach für eine Recherche von Herrn Seppelt, der zusammen mit Lehner (der Seppelt lt.

Stgt Nachrichten gerne mit „Mein Lieber“ begrüßt), offenbar aus einer Besprechung kommend, am

30.4. den Gerichtssaal betritt, und dann solch einen Beitrag beim WDR abliefert in dessen Folge die

darin zitierten Herren Matschiner und Mayer als Zeugen vorgeladen werden sollen? Solches nährt im

Zusammenhang mit der falschen Darstellung meiner Aussage insbesondere am Ende des Beitrags,

doch den Verdacht einer Inszenierung, die an Durchsichtigkeit nicht zu überbieten ist. Was sagen

denn die Verantwortlichen des WDR hierzu?

Die vom WDR gestellten Fragen mit meinen originalen Antworten füge ich hier bei (Entsprechend war die

fragliche E-Mail vom 12.7.2008 ebenfalls an den WDR übermittelt worden.):

Die Fragen im einzelnen:

- Haben Sie anlässlich der Tour de Suisse 2001, als Walter Mayer beim Team Gerolsteiner zu Gast

war, sinngemäß gesagt: "Ich will nicht wissen, was Ihr macht. Aber lasst Euch nicht erwischen."

Nicht einmal ansatzweise.

- Haben Sie nach der Tour de France 2008 davon Kenntnis erhalten, dass eine große Anzahl von Tour-

Teilnehmern bei Kontrollen unter der Ägide der AFLD entweder positiv getestet oder mit verdächtigen

Werten gemessen wurden, wobei es sich um Blutbehandlungen oder den Gebrauch von CERA

gehandelt haben soll? Kann es sein, dass eine Zahl von ca. 45 Proben oder 45 Fahrern betroffen war?

Gerüchteweise. Habe nie eine Liste gesehen oder irgend etwas schriftliches erhalten.

4

- Wissen Sie von einem Dokument, auf dem Daten zum Blutbild eines Athleten zu sehen sind und auf

dem handschriftlich hinzugefügt ist "Hallo Hans + Renate, bitte an (...) weiterleiten! !!! wichtig !!!"

und im folgenden "Die Kur habe ich heute, nach 16 Tagen, abgeschlossen. Deshalb Blutwerte

mitmachen?" Falls ja: um was für ein Dokument handelt es sich, um welchen Athleten geht es und

aus welchem Zeitraum stammt das Dokument. Ist Ihnen bewusst, das mit dem Begriff "Kur"

höchstwahrscheinlich eine EPO-Kur gemeint war? Uns vorliegende Einschätzungen von Insidern

deuten darauf hin.

Solange ich nicht weiß, von wann und wem das Dokument stammt und wer es erhalten sollte kann ich

es weder einschätzen noch zuordnen.

- Haben Sie kurz vor der Tour de France 2008 eine E-Mail erhalten, in der darauf hingewiesen wurde,

dass CERA jetzt nachweisbar sei? Haben Sie diese E-Mail anderen Personen im Team Gerolsteiner

gezeigt?

Aufgrund der Frage habe ich alle meine noch vorhandenen E-Mail-Eingänge aus dem betreffenden

Zeitraum durchsucht. In der Tat habe ich nach der 8. Etappe der Tour de France am 12.7.2008 von

meinem Teamkoordinator Theo Maucher eine E-Mail aus Österreich mit solchem Inhalt weitergeleitet

bekommen. Ich denke dass ich die seinerzeit grob überflogen habe, ihr keine Relevanz beigemessen

und gemäß meinem Outlook Account auch niemandem weitergeleitet. Das Wort Cera habe ich nicht

bewusst wahrgenommen. Cera als eine Medikamentenbezeichnung ist mir erst seit dem 17.7.2008

durch ein Gespräch mit Gilbert Ysern bekannt.

Wenn ich die E-Mail anderen Personen im Team gezeigt habe dann naheliegenderweise aufgrund der

Thematik dem Teamarzt. Mir ist nicht erinnerlich ob ich vor Ort Mark Schmidt die E-Mail gezeigt oder

ausgedruckt habe. Ich bin mir aber sicher mit Fahrern nicht darüber gesprochen zu haben. Dazu hatte

ich weder Veranlassung noch Zeit, da ich am selben Abend noch einen langen und intensiven

Telefonkontakt mit einem potentiellen Sponsor hatte, dem neben dem sonstigen üblichen Stress

während der Tour mein besonderer Fokus galt.

- Was ist Ihnen zum Teamarzt Mark Schmidt im Zusammenhang mit Doping in Erinnerung?

Die Einlassungen von Bernhard Kohl und die Auseinandersetzung mit Schumacher, dessen Manager im

Frühjahr 2008 behauptete in den Medikamentenkoffern des Teams habe sich anlässlich der Deutschen

Meisterschaft 2006 das Dopingmittel Synacthen befunden, was Schmidt energisch bestreitet.

- Haben Sie 2006 am Rande der DM zu Stefan Schumacher sinngemäß gesagt: "Na, hast Du zuviel

Synacthen geblasen?"

Nein (siehe meine Aussage vor Gericht). Ich habe Schumacher nach einem Gespräch mit Schmidt und

Henn nach dem Rennen auf die Ursachen seiner vor allem für ihn enttäuschenden Leistung (mir ist

nicht mehr erinnerlich wann und wo das Gespräch stattgefunden hat) angesprochen und neben

anderen Gründen ihn als Sohn eines Ärzteehepaars gefragt, ob er etwa etwas mit Synacthen gemacht

habe, was er entrüstet von sich wies.

- Haben Sie als Teamchef regelmäßig die Berichte über Radsport in den großen deutschen Medien und

in Radsportfachmedien verfolgt?

Ja, in erster Linie: Radsport-News, Cycling News, Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau,

Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Nachrichten. Aber „regelmäßig“ heißt jetzt nicht immer und

umfassend.

- Haben Sie sinngemäß gegenüber Fahrern gesagt, die UCI-Erklärung sei das Papier nicht wert, auf

dem sie geschrieben steht?

Nein, ich habe aber sicher erwähnt, dass es hier vehement geäußerte Zweifel vor allem durch Dr.

Lehner gibt, wir allerdings hinter dieser Erklärung stehen.

5

- Haben Sie Stefan Schumacher bei einer Gelegenheit explizit darauf hingewiesen, dass Dynepo nicht

nachweisbar sei?

Nein.

Mein Outlook enthält für den Zeitraum vom 27.10.2006 bis zum 30.12.2008 zwei Treffer für Dynepo.

Die bereits genannte von Herrn Maucher und eine weitere an RA Höss.

- Haben Sie 2007 nach Aufdeckung des Telekom-Skandals sinngemäß gesagt, dass Sie "Schwein

gehabt" hätten, weil Sie sich selbst noch einige Zeit zuvor darum bemüht hätten, eine Vereinbarung

über die sportmedizinische Betreuung des Teams Gerolsteiner mit der Abt. Sportmedizin der Uni-Klinik

Freiburg abzuschließen?

Ich hatte mich nicht um Freiburg bemüht. Freiburg hatte sich durch York Olaf Schumacher bei uns

Ende 2004 beworben. Ich habe abgesagt. Hierzu liegt mir sogar ein beweiskräftiger E-Mailverkehr vor.

Im Rahmen der Telekom-Enthüllungen habe ich sicherlich davon gesprochen, dass wir Glück hatten

uns nicht für Freiburg entschieden zu haben, weil wir sonst – wie allzu häufig undifferenziert - in diese

Vorgänge hineingezogen worden wären.

- Welche Vereinbarungen gelten für Sie persönlich oder die Firma HSM mit der Firma Gerolsteiner für

den Fall, dass Sie vom Doping im Team wussten oder Indizien und Beweisen nicht nachgingen und es

gegenüber dem Sponsor verschwiegen?

Solche konkreten Szenarien waren nicht im Vertrag ausformuliert.

- Warum haben Sie - nach eigener Aussage vor Gericht - Gefälligkeitsatteste auf Kortison zunächst

hingenommen und erst später im Team unterbunden?

Ich habe sie nicht hingenommen, da ich im einzelnen nicht feststellen konnte, ob es sich um ein

„Gefälligkeitsattest“ handelt.

Ich bin in Gesprächen und Diskussionen mit Kollegen über einen langen Zeitraum zur Überzeugung

gekommen, dass die Möglichkeit einer missbräuchlichen Verwendung von Ausnahmegenehmigungen

nur durch uns Teamchefs in den Griff zu bekommen ist, gegebenenfalls auch durch juristisch nicht

belastbare Maßnahmen wie Ignorierung der Echtheit einer therapeutischen Ausnahmegenehmigung.

Im ersten Schritt wurden ab 2006 dann nur noch von Dr. Jakob Ausnahmegenehmigungen für

Kortison ausgestellt und ab 2008 eine 15-tägige teaminterne Wettkampfpause eingeführt. De Bonis

Februar 2008, Kohl Juni 2008 und Wegmann nach der 19. Etappe Tour de France sind mir als 15-

tägige Wettkampfpausen erinnerlich.

Beurteilen Sie bitte selbst, wie man aufgrund dieser Antworten zu den Aussagen im betreffenden

Beitrag gelangen konnte.

Auf die Frage z.B., ob ich „vor“ der Tour de France 2008 erhalten hatte, in der darauf hingewiesen

wurde, dass CERA jetzt nachweisbar sei, wurde sehr konkret geantwortet und die entsprechende EMail

auch vorgelegt. Offensichtlich, so unsere jetzigen Erkenntnisse, zielte allerdings die Frage des

WDR auf eine von Herrn Rechtsanwalt Dr. Lehner dem WDR vorgelegte E-Mail ab, die der

einschlägig des Dopingvergehens überführte Dr. Mark Schmidt just diesem Dr. Lehner, zu einem mir

nicht bekannten Zeitpunkt übermittelt haben will, in welchem Mark Schmidt behauptet, eine weitere EMail

vor der Tour de France 2008 an mich geschickt zu haben. Mir wurde allerdings weder eine solche

E-Mail des Mark Schmidt an mich, noch eine E-Mail des Mark Schmidt an Herrn Lehner je zur

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Kenntnis gebracht. Meine oben nachzulesende Aussage gegenüber dem WDR war insoweit daher

eindeutig und bezog sich auf folgende E-Mail vom 12.7.2008:

Von: Theo Maucher [mailto:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ]

Gesendet: Samstag, 12. Juli 2008 15:11

An: Hans Holczer

Betreff: WG: Anti-dopingnews

hallo hans. ich bekomme komische mails - gruß theo

------Originalnachricht------

Von: Cycling News

An: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Antwort an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Gesendet: 12 Jul 2008 14:45

Betreff: Anti-dopingnews

Lieber Theo

Ich weiss, dass Dein Team clean ist. Aber zur Sicherheit folgende iInfo.

Laut einer internen Presseaussendung der NADA im Rahmen der Österreich-

Rundfahrt konnte ein eindeutiges Testverfahren für die neuen

Erythropoietin-Präparate (Dynepo, epoietin delta,

CERA,...) entwickelt werden. (Nachweis von Kohlenhydratseittenketten +

Konzentration, bei CERA ein ELISA).

Der Test soll ab sofort bei allen internationalen und nationalen Kontrollen

durchgeführt werden.

Erste Opfer des Tests sind die Marathonläufer Susanne Pumper und Javornik.

Ein Freund des Radsports.

Zur Vermeidung eines neuen Skandals.

Stattdessen wurden in dem von Ihnen zitierten Beitrag des WDR ausschließlich diverser

Dopingvergehen und der jahrelangen vielfachen Lüge überführte Informationsquellen und

Interviewpartner zu Wort kommen gelassen, darunter sogar Personen wie die Herren Matschiner und

Mayer, die vermutlich gemeinsam mehr Tage in Gefängnissen zugebracht haben, als ich im Jahr 2008

auf Radrennen war. Beachtlicherweise hielt es der WDR in seinem Beitrag nicht für erwähnenswert,

diese Vorgeschichten der betreffenden Quellen eingehender zu beleuchten und möglicherweise auch

wo die betreffenden Netzwerke zusammenlaufen, bzw. welche Motivationen hinter den betreffenden

Aussagen stecken könnten. Nicht einmal Erwähnung findet, dass der zitierte Walter Mayer aktuell in

Österreich (Leoben) der Falschaussage (!) in einem einschlägigen Strafverfahren Angeklagter ist.

(http://www.kleinezeitung.at/steiermark/leoben/leoben/3306547/falschaussage-bei-prozess-umfalschaussage-

mayer-angeklagt.story . http://kurier.at/sport/sportmix/walter-mayer-wegenverleumdung-

angeklagt/11.689.458 )

7

Ferner sind sämtliche - abgesehen von meiner Person - auch sonstig gezeigten und interviewten

Personen der vielfachen und jahrelangen Lügenpraxis beweiskräftig überführt.

Erstaunlicherweise missachtet der WDR-Beitrag auch sämtliche Aussagen im Stuttgarter Prozess, die

insbesondere von nicht der Lüge überführten Personen getätigt werden, die meine Haltung und

meiner eigenen Aussagen stützen.

Dies geht hinsichtlich der Vernachlässigung der journalistischen Sorgfaltspflichten sogar so weit, dass

in der Anmoderation zu einem aus dem Material des WDR komprimiert zusammengeschnittenen und

dadurch in der Wirkung noch tendenziöseren Beitrag im ARD Morgenmagazin vom 8.5. durch Peter

Großmann sinngemäß behauptet wurde, es handele sich um einen Prozess des Arbeitgebers Team

Gerolsteiner gegen den früheren Angestellten Schumacher auf Rückzahlung von 150.000,- € und

nicht, wie tatsächlich, um ein offizielles Strafverfahren, welches auf Anzeige der NADA durch die

Staatsanwaltschaft in eigener Regie rein staatlich im öffentlichen Interesse (!) geführt wird.

Für die HSM GmbH indes ist der Ausgang des Prozesses vollkommen uninteressant, da sich aufgrund

des arbeitsgerichtlichen Vergleiches von 2009 für die HSM keinerlei finanzielle Ansprüche ergeben -

ganz im Gegensatz zu den fortwährenden Behauptungen der Verteidigung.

Eine Frage, die auch bislang in der journalistischen Sorgfalt keinerlei Beachtung fand, ist die,

weswegen sich denn Stefan Schumacher mit seinem Anwalt Lehner im Jahr 2009 auf einen Vergleich

vor dem Arbeitsgericht eingelassen haben sollte, anlässlich dessen er freiwillig auf 150.000,- € Gehalt

verzichtet hatte, wenn er doch belastendes Material gegen meine Person in Händen gehabt hätte.

Dann wäre es sicherlich zu gar keinem Prozess und auch zu keinen weiteren Verfahren, schon gar

nicht zum jetzigen Strafverfahren mit mir als Hauptbelastungszeugen gekommen, da dann sicherlich

der Anwalt Lehner außergerichtlich auf meinen Anwalt oder mich zugegangen wäre und unter

Erwähnung solchen Materials angeregt hätte, von jeglicher gerichtlichen oder sonstigen

Auseinandersetzung doch besser Abstand zu nehmen. Allein dass dies unterblieben ist, lässt das

gesamte Lügenkonstrukt von Stefan Schumacher, gestützt von seinen Beratern, als absurd

erscheinen. Es ist mit den Denkgesetzen der Logik schlicht nicht vereinbar.

Man muss offenbar kein Journalist der Riege Seppelt & Co sein, um die Zusammenhänge zu

erkennen und die Person des Stefan Schumacher und seines Netzwerks zu entlarven, wie der Anwalt

Fröhlich (damaliger Vertreter von Bernhard Kohl) dies in seinem Blog in Radsport News (nachfolgend zitiert)

herausgearbeitet hat:

„Verpfeifen“ sollen andere

Von Siegfried Fröhlich

16.04.2013 - (rsn) - Im Oktober 2008 wurde Stefan Schumacher beschuldigt, bei der Tour de France mit dem

Medikament CERA gedopt zu haben. Viereinhalb Jahre danach muss sich der Nürtinger wegen der damaligen

Vorgänge vor einem Strafgericht verantworten. Aufgrund meiner damaligen Vertretung von Bernhard Kohl (der

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wie Schumacher auch bei der Tour 2008 positiv auf CERA getestet wurden, d. Red.) hat mich der Fall

Schumacher natürlich mehr als andere interessiert.

Den Beginn des Strafprozesses und Schumachers Interview im SPIEGEL möchte ich daher zum Anlass nehmen,

eine Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse aus anwaltlicher Sicht vorzunehmen.

Ein des Dopings beschuldigter Sportler gerät in Abhängigkeit seiner Berater. Er kann nicht ohne einen Anwalt,

der ihn juristisch führt. Und er kann wohl nicht ohne einen Manager, dessen Aufgabe es ist, die Verteidigung

medial und persönlich zu begleiten. Dieses Beraterumfeld Schumachers bezeichnete dessen früherer Teamchef

Hans-Michael Holczer als „Vollkasko-Entourage“.

Die erste, greifbare Reaktion der „Vollkasko-Entourage“ auf die CERA-Beschuldigungen war eine denkwürdige –

und zwar nicht nur vor dem aktuellen Hintergrund mit dem SPIEGEL-Interview - Erklärung im Oktober 2008. Sie

war es auch deshalb, weil ausgerechnet die Schumacher-Seite einen Monat später die französische Anti-Doping-

Agentur AFLD dafür kritisierte, „in unverantwortlicher Form regen Kontakt mit den Medien zu pflegen“.

Als ob ein Doping-Verfahren nicht bereits genug Konzentration erfordere, legte man sich im November 2008

zusätzlich mit dem Bund Deutscher Radfahrer an. Voller Selbstbewusstsein verlangte man vom BDR die

Lizenzerteilung für 2009. Das schien folgerichtig, denn Schumacher teilte am 27.11.2008 ja mit, ein „reines

Gewissen“ zu haben.

Einen Monat später forderte Schumachers Rechtsanwalt öffentlichkeitswirksam eine Generalamnestie für Doper.

Als mögliche Gegenleistung wurde von einer „schonungslosen Offenheit aller Beteiligten“ gesprochen. Diese

Forderung stand zwar ausdrücklich nicht im Zusammenhang mit der Verteidigung im vorliegenden Fall. Doch

gerade, weil diese Forderung von Schumachers Anwalt kam, wurden selbstverständlich Quervergleiche gezogen,

die so vorauszusehen waren.

Nachdem Schumacher beim Team Gerolsteiner aufgrund des AFLD-Verfahrens gekündigt wurde, eröffnete man

eine neue, bisher dritte „Front“: Schumacher wehrte sich gegen die Kündigung durch Holczer und reichte

Kündigungsschutzklage ein. Das Interessanteste daran war, dass Schumacher sich im Verfahren vor allen

Dingen darauf berief, nicht selbständiger Gewerbetreibender zu sein, wie vertraglich vereinbart, sondern

Arbeitnehmer.

Nur nebenbei bemerkt: Wäre das Arbeitsgericht Stuttgart dieser Rechtsauffassung nachgekommen, wären auf

den deutschen Radsport Nachforderungen der Sozialversicherungen in Millionenhöhe zugekommen. Mit einem

Schlag wäre der deutsche Radsport insolvent gewesen. Die Schumacher-Seite nahm dies in Kauf. Holczer

kommentierte dieses Vorgehen so: „Dies ist eine hoch interessante Sache, dass ein Anwalt zunächst zu einer

Vertragsunterzeichnung rät und dann in ebenjenem Kontrakt Knebelcharakter erkennt.“

Zurück zur AFLD: Das dortige Verfahren bezeichnete die „Entourage“ im Dezember 2008 als „willkürlich“ und

„rufvernichtend“. Nachdem er im Februar 2009 gesperrt wurde, erklärte Schumacher: „Ich habe nicht gedopt. Das

Skandalurteil der AFLD zu akzeptieren, wäre das Ende jedes Fairplay. Ich .. werde für mein Recht bis zur letzten

Instanz kämpfen.“ Eine bemerkenswerte Aussage.

Doch nicht nur der Betroffene drosch auf die AFLD ein. Von anwaltlicher Seite soll das Urteil sogar als

„standrechtliche Schnellerschießung“ bezeichnet worden sein. Eine Sperre mit einer standrechtlichen

Schnellerschießung zu vergleichen, wie sie beispielsweise dem Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von

Stauffenberg widerfuhr, ist meines Erachtens mindestens deplatziert.

Das sportrechtliche Verfahren wurde fortan scheinbar zweigleisig gefahren. Gegen die Sperre selbst wurde vor

einem französischen Gericht geklagt. Weil die UCI die Startsperre übernahm, zog Schumacher zudem noch vor

den CAS in Lausanne.

Es folgte ein weiteres, denkwürdiges Ereignis: Schumachers Auftritt im Aktuellen Sportstudio. Dafür schämt er

sich nach eigenen Worten heute noch. Man kann gut verstehen warum.

Nachdem im Oktober 2009 ein französisches Gericht Schumachers Einspruch gegen die Sperre als unbegründet

abwies, erklärte dessen Lager voller Selbstbewusstsein: „Für uns ist Frankreich nicht das Ende der

Fahnenstange. Wir werden sämtliche Rechtsmittel gegen die Entscheidung ergreifen, also die

Rechtsschutzmöglichkeit bis zum Europäischen Gerichtshof.“

„Wir haben zu 100 Prozent Recht!“ Mit diesen Worten zogen Schumachers Berater in die mündliche Verhandlung

vor dem CAS im November 2009. Der CAS sah das anders und bestätigte die Übernahme der Sperre durch die

UCI.

Zurück vor dem Arbeitsgericht, „einigte“ man sich mit Holczer auf eine Vertragsauflösung zum 15. Oktober 2008.

Schumachers Klage war übrigens gegen die zum 15. Oktober 2008 erfolgte Kündigung eingereicht worden.

Immerhin erhielt Schumacher einbehaltene Prämienansprüche ausbezahlt.

Ein neuer juristischer Schauplatz bot sich in einer Auseinandersetzung mit dem Internationalen Olympischen

Komitee IOC. Dieses disqualifizierte Schumacher im November 2009 nachträglich vom Zeitfahren in Peking 2008.

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„Schnellstmöglich und mit Falschheit“ – so der juristische Kommentar der Entourage auf die Disqualifikation.

Folgerichtig entschied man sich, auch dagegen Rechtsmittel vor dem CAS einzulegen. Schumacher war übrigens

Dreizehnter des Zeitfahrens von Peking.

Nachdem es zwischenzeitlich um Schumacher etwas ruhiger geworden war, wurde 2012 bekannt, dass die

Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen den Nürtinger wegen des Verdachtes auf Betrug zu Lasten von

Holczer erhob. Dieses Strafverfahren hat nunmehr begonnen.

Zu Beginn des Jahres 2013 wurde ein weiteres Verfahren bekannt. Ein ehemaliger Sponsor hatte Schumacher

erfolgreich auf Schadensersatz verklagt. Die Reaktion der Entourage: Natürlich werde man Berufung einlegen.

Schumacher hat also aufregende Jahre hinter sich. Addiert man alle Instanzen, kommt man auf mindestens elf

Verfahren, straf-, zivil- und sportrechtlicher Art. Bei Bernhard Kohl waren es übrigens derer zwei.

Das oben erwähnte SPIEGEL-Interview im März 2013 begann Schumacher mit den Worten: „Ja. Ich habe EPO

genommen, auch Wachstumshormone und Kortikosteroide.“ Den Missbrauch von CERA der letztlich Auslöser

des Prozessmarathons war, gab Schumacher ebenfalls zu. Erstaunlich, wenn man sich vergegenwärtigt, wie

energisch er und seine Entourage immer wieder seine Unschuld beteuerten und wirklich jedes Rechtsmittel

ergriffen.

Im weiteren Verlauf des Interviews sagte der nunmehr Geständige übrigens auch: „Wenn man im Finale

geschlagen wird, ist das wie eine körperliche Erniedrigung. Wenn ich das erlebe, bin ich eher bereit, alles zu

nehmen, um das nächste Mal ein bisschen weniger Schmerzen zu haben.“ Eine meines Erachtens sehr

bedenkliche Aussage für jemanden, der seine Sperre als das Ende jeglichen Fairplays bezeichnet hatte.

Schumacher ist für seine Situation verantwortlich. Deshalb gehört er für sein Geständnis mit fünfjähriger

Verspätung auch nicht gelobt. Für seine Vorgehensweise kann ich auch kein Verständnis aufbringen: Für

Fehlverhalten hat man einzustehen. Doch schon seit mehreren Jahren frage ich mich, wie man Schumacher auf

diesen Weg hat begleiten können, auf dem mit – teils maßlosen - Attacken gegen Dritte nie gespart wurde. Als

Lügner musste sich etwa der damalige AFLD-Chef Bodry bezeichnen lassen, von „standrechtlicher Erschießung“

war die Rede.

Am 27.02.2009 sagte Hans-Michael Holczer im Interview mit der dpa den folgenden Satz: „Ich frage mich schon,

warum niemand aus seiner 'Vollkasko-Entourage' Stefan Schumacher seine Situation so nahebringt, wie sie

praktisch von allen Außenstehenden als Realität empfunden wird.“ Wie Recht er damit hatte.

Die Ausgangslage von Schumachers Verteidigung muss man sich nochmals in aller Deutlichkeit

vergegenwärtigen: Alle des CERA-Dopings überführten Sportler der Tour de France 2008 bestätigten die

Kontrollergebnisse und legten Geständnisse ab. Unverständlich zu glauben, man käme aus dieser Nummer mit

Freispruch raus; aber noch unglaublicher ist es, einen mindestens fünfstelligen Betrag in dieses von Beginn an

sinnlose Unterfangen zu investieren.

Ich bin mir sicher, dass einige Entscheidungen zu Lasten Schumachers dem Grunde nach falsch waren. Das ein

oder andere Mal widerfuhr ihm Ungerechtigkeit. Gerecht ist jedoch, dass jeder seine Fallhöhe selbst bestimmt.

Bedauerlicherweise hat Schumacher selbst dafür gesorgt, dass er tiefer gefallen ist als viele vor ihm. Wenn man

sich in 20 Jahren an den Sportler Stefan Schumacher erinnern wird, werden sein Prozessmarathon und die

Kehrtwende in Erinnerung bleiben. Wohl kaum allerdings jene, die ihn zu diesem Weg geraten oder zumindest

ihn nicht davon abgebracht haben.

Schumacher gibt sich geläutert. Er würde heute vieles anders machen als damals. Dazu kann ich nur sagen:

Guter Rat muss nicht immer teuer sein. Hätte Schumacher im Oktober 2008 gestanden, so bin ich mir sicher,

hätte das jetzige Strafverfahren nicht stattgefunden. Die Behandlung der „Parallel-Doper“ im Team Gerolsteiner

spricht für sich.

Wer übrigens nach dem SPIEGEL-Geständnis gedacht hatte, hier sei der Startschuss für einen neuen,

gradlinigeren Weg des Stefan Schumacher gefallen, sah sich beim Prozessauftakt vor dem Strafgericht

enttäuscht. Die Stuttgarter Zeitung schrieb über den ersten Tag: „Schumacher sagt viel, meist ruhig und

souverän, später etwas ungehalten, aber er sagt nicht alles. Namen nennt er trotz mehrfacher Nachfrage des

Richters und Staatsanwaltes nicht. Er benennt nicht die Ärzte, ohne die Doping nicht möglich gewesen wäre. Er

wolle sie nicht denunzieren. ‚Ich trage die Verantwortung, ich habe gefragt, sie haben mir geholfen. Mich hat

niemand gezwungen.’ Sein Ehrgefühl verbiete es.“

Seine Verteidigung wird zitiert mit den Worten: „Es gibt ja noch Zeugen. Ich denke, bis zur Urteilsverkündung

werden wir Namen wissen.“ Ja, so kann man es auch machen. Zum „Verpfeifen“ sollen offensichtlich andere

herhalten. Das wäre dann wie im richtigen Radsport: Der Kapitän jubelt im Ziel, die Drecksarbeit aber machen die

Wasserträger.

Der Sportrechtler Siegfried Fröhlich schreibt in einem Blog auf Radsport News Stellung über aktuelle und

Themen aus dem Radsport.

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Schumacher hatte übrigens seinerzeit im November 2008 mit seinem Anwalt Lehner eine

Strafanzeige gegen die AFLD wegen Verleumdung (!) angekündigt.

Allein dies sollte doch eigentlich beredtes Zeugnis von der Skrupellosigkeit des betreffenden

Vorgehens des Stefan Schumacher liefern, der offenbar gewissenlos die Chuzpe aufbringt - in dem

sicheren Wissen um seine Schuld und seiner Lügen - diejenigen, die ihn seinerzeit seiner

Dopingvergehen überführt hatten, strafrechtlich mit voller Unterstützung seiner Vollkasko-Entourage

zu verfolgen wollen.

Mit Unterstützung des selben Anwalts Lehner im Übrigen, der jetzt in gleicher Weise, nach mehrfach

vollzogener Kehrtwendung in Aussage und Argumentation, wiederum mit gleicher Skrupellosigkeit

erneut Andere für die eigenen vorsätzlichen Vergehen und die Schuld des Dopingnetzwerkes um

Schumacher, unter Einbindung desselben als Zeugen hierfür, beschuldigt.

Ergänzt werden kann in diesem Zusammenhang noch, dass es Stefan Schumacher mit seinem

Anwalt Lehner ist, der in einem zivilgerichtlichen Verfahren eines ehemaligen Sponsors gegen ihn in

entsprechenden Andeutungen nach wie vor, unter dem Risiko einer möglichen Verletzung seiner

prozessualen Wahrheitspflicht als Anwalt, dort zuletzt noch vortragen ließ und vorgetragen hat, man

habe möglicherweise ja doch nicht gedopt - mithin nach wie vor immer genau so, wie es den eigenen

egoistischen Zielen nützt.

Offensichtlich haben weder Anwalt noch Mandant irgendwelche Probleme damit, jeder sich bietende

Wendung von Sachverhalten und Realitäten zu begegnen.

Informationen indes hat Schumachers Anwalt selbst sicherlich viele, hat er doch schon zuvor bereits

Jaksche und Hondo in deren Verfahren und Schumacher über viele Jahre in einer ganzen Flut von

Prozessen vertreten. Die Bereitwilligkeit wie hier schon seit jeher Informationen mit einigen Vertretern

der Presse geteilt bzw. auch gestreut wurden und werden, scheinen einmal mehr in dem objektiv als

zumindest tendenziell zu bezeichnenden Beitrag des WDR ihren Niederschlag gefunden zu haben.

Auch über Folgendes muss an dieser Stelle aufgeklärt werden:

Generell zieht sich durch das Verfahren und die insoweit durch die Verteidigung einseitig informierte

mediale Begleitung der wesentliche Vorwurf, ich hätte angeblich von Doping-Praktiken mit Synacthen

gewusst und sei hierüber angeblich gar von Stefan Schumacher informiert worden, hätte dies

allerdings toleriert und möglicherweise gar noch – wie auch immer - unterstützt.

Tatsächlich ist auch dieser Vorwurf völlig abwegig und weder mit den Denkgesetzen der Logik, noch

vor irgend einem realen Hintergrund, zu vereinbaren.

Wäre dies tatsächlich so gewesen, hätte Stefan Schumacher wohl kaum die schriftliche Erklärung im

Beisein seines Anwalts Lehner und seines Vaters im Büro meines Rechtsanwalts Markus Höss

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unterschrieben, in der er auf mehrfache explizite Hinweise von mir und meinem Rechtsanwalt, dass

für den Fall, dass an solchen Behauptungen seines Managers Betz, dass es solche Wahrnehmungen

von Stefan Schumacher geben würde irgendetwas dran sei, man die Wahrheit wissen wolle und dies

nun abschließend ein für alle Mal geklärt werden müsse und auf den Tisch zu bringen sei, tatsächlich

erklärte, über solche Vorgänge absolut keinerlei Kenntnisse zu besitzen und solches daher auch

weder jetzt noch künftig behaupten zu wollen.

In gleicher Weise hätte, noch vor dem nur zehn Tage vor Ort des Beginn des Strafverfahrens medial

inszeniert stattgefunden habenden und in seiner Motivation absolut durchsichtigen Dopinggeständnis

von Schumacher, nicht dessen weiterer Verteidiger, Professor Rössner, über einen vielseitigen

Schriftsatz an mich bereits im Dezember 2011 (!) - im Übrigen mit entsprechenden Andeutungen auf

ein zumindest zwischen Schumacher und seinen Verteidigern und Beratern bereits seinerzeit schon

eingeräumtes Dopingverhalten - den Wunsch herangetragen, mit seinem Mandanten einen so

genannten Täter-Opfer-Ausgleich durchzuführen, um das Strafverfahren gegen diesen zu vermeiden.

Hätten entsprechende Kenntnisse bei Stefan Schumacher seinerzeit vorgelegen, die er jetzt

behauptet, wäre auch dieses Vorgehen völlig undenkbar gewesen. Es hätte in einem informellen

Treffen bzw. einen eben solchen Hinweis durch die Verteidiger auf solche Kenntnisse die deutliche

Anregung gegeben, den Täter-Opfer-Ausgleich zuzustimmen oder im Strafverfahren die Aussage zu

verweigern, um diese somit zu Fall zu bringen. Nichts dergleichen ist geschehen. Ich habe stattdessen

auf diesen Täter-Opfer Ausgleich absichtlich nicht einmal reagiert. Nur so ist es letztendlich zu diesem

Prozess gekommen! Auch dies völlig undenkbar, wenn die jetzigen Behauptungen von Stefan

Schumacher zutreffend wären. Ich habe mit dieser meiner unbeugsamen Haltung maßgeblich dazu

beigetragen, dass es überhaupt zu dem späten Dopinggeständnis von Stefan Schumacher kam, der

nur so seine neue Verteidigungsstrategie überhaupt aufziehen konnte. Im anderen Fall hätte er mich

als den Hauptbelastungszeugen gar nicht angreifen können. Dadurch wird auch die Motivation für sein

Geständnisses deutlich. Wiederum handelt es sich um rein egoistische Ziele und nicht eine wirkliche

Abkehr von seiner früheren Haltung. Sonst hätte Schumacher bereits die zurückliegenden fünf Jahre

für ein entsprechendes Geständnis nützen können und somit letztlich auch sein eigenes Vermögen

geschont.

Letztlich hatte ich bereits auch darauf hingewiesen, dass der Verzicht auf ca. 150.000,- € von

Schumacher im arbeitsgerichtlichen Vergleich im Jahr 2009 aus denselben Gründen undenkbar

gewesen wäre.

Dieses so leicht durchschaubare Lügenkonstrukt von Stefan Schumacher, welches ausschließlich

durch in gleicher Weise vorbelastete Zeugen bewiesen werden soll, kann von jedem an der

Wahrheitsfindung tatsächlich interessierten kritischen Journalisten, wie auch der Öffentlichkeit, ohne

jeden vernünftigen Zweifel nachvollzogen werden. Stattdessen will man offenkundig vor lauter

Bäumen den Wald nicht sehen - da die Skandal-Story sich möglicherweise besser verkauft, als die

schnöde Erkenntnis, dass Lügner auch weiterhin Lügner sind und bleiben und der letztlich

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gescheiterte Versuch mit dem Team Gerolsteiner einen alternativen sauberen und dopingfreien Weg

zu gehen zumindest das redliche Bemühen meiner Person insoweit erkennen ließ.

Ganz nebenbei belegt auch Schumachers derzeitige skrupellose Teilnahme an UCI-Wettbewerben

nach seinem Geständnis und während des Prozesses, dass seine Um- und Abkehr nur

medienwirksam stattgefunden hat. Ein wirklich bereuender Dopingsünder mit Charakter würde nach

so einer Fülle von Vergehen die Konsequenz eines Karriereendes ziehen und ehrlicherweise zu dem

stehen, was er getan hat - mit allen Folgen. Bisher geschah dies in keinem einzigen der fast einem

Dutzend Prozesse – und zuletzt wiederum nur in Bruchteilen, um staatlicher Verfolgung seiner Taten

zu entgehen, mithin seine eigene Haut zu retten.

Und wie grenzenlos feige ist es denn von Schumacher, den Arzt nicht zu nennen der ihm Cera

besorgt hat. War es vielleicht gar nicht einer der Ärzte des Teams sondern lag die Quelle viel näher

bei Schumacher, wie Dr. Mark Schmidt es mir gegenüber mehrfach, zuletzt Ende April 2009 vermutet

hat? Die Medikamente für den ersten positiven Test 2005 wurden von Frau Schumacher, der Mutter

des Angeklagten verordnet und beschafft.

Dafür bekommt Stefan Schumacher aber anlässlich der Deutschen Meisterschaft in Wangen i.A.

vollkommen kritiklos in vielen Medien die Möglichkeit, Jan Ullrich Ratschläge für ein vollumfängliches

Geständnis zu erteilen, wie auch er es getan habe, was offensichtlich gelogen ist.

Es folgt hier nun noch Wiedergabe der mir am 6.5.13 seitens Herrn Haupt von der dpa gestellten

Fragen und meiner Antworten nach Ausstrahlung der WDR-Sendung sport inside mit dem Beitrag von

Loke/Seppelt „Zeuge der Anklage“:

- Stimmt es, dass Sie bereits vor dem 17.7.2008 von CERA gehört haben?

=> Nein. Mir bewusst bekannt definitiv erst aufgrund eines Anrufs von Gilbert Ysern am 17.7.2008.

- Wann und in welchem Zusammenhang haben Sie das erste Mal von CERA gehört?

=> In Bezug auf das von den Verteidigern von Stephan Schumacher inszenierte „Affentheater“ zum

Zeitpunkt der Kenntnisnahme von der Existenz von „CERA“ – soll hiermit abschließend klargestellt

werden, dass es im Verfahren vor dem Landgericht hierbei lediglich um eine Randfrage ging, auf die

es in Bezug auf den Betrug von Stephan Schumacher überhaupt nicht ankommt.

Es ist überhaupt keine Frage, dass mir bekannt war, dass Doping ein tägliches Thema im Radsport

war und ist, wie ich dies bereits in meinem Buch ausführlich beschrieben hatte, ich tatsächlich

allerdings „CERA“ als ein Medikament erst mit den telefonischen Schilderungen durch Gilbert Ysern

vom 17.7.2008 für mich persönlich als solches entsprechend wahrgenommen hatte.

Richtig ist indes auch, dass mir allerdings eine E-Mail, in der die betreffende Buchstabenfolge „CERA“

ohne nähere für mich als Nichtmediziner verständliche Erläuterung, erwähnt worden war, die ich wohl

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während der Tour fünf Tage zuvor - am 12.7.2008 -, wie unzählige andere E-Mails auch, erhalten

hatte, schon als ich mein Buch 2010 geschrieben habe, nicht mehr erinnerlich war.

Nicht mehr und nicht weniger hat es mit diesem Detail auf sich.

- Vor dem Landgericht Stuttgart deutlich betont, am 17.7.2008 erstmals von CERA gehört zu

haben - was hat dazu beigetragen, dass Sie ihre Meinung nun geändert haben?

=> Ich habe meine „Meinung“ nicht geändert. (siehe oben).

- Inwiefern hat die E-Mail von Dr. Mark Schmidt an Anwalt Michael Lehner dazu

beigetragen, dass Sie sich wieder daran erinnen können, von CERA schon vor dem 17.7.2008

gehört zu haben?

=> Mir ist eine Mitteilung von Dr. Mark Schmidt an den Anwalt Dr. Michael Lehner inhaltlich aktuell

nicht bekannt, somit konnte dies auch nichts „ändern“.

Ich habe nie behauptet oder eingeräumt, schon vor dem 17.7.2008 von CERA bewusst – und das ist

schließlich die Voraussetzung für eine subjektive Wahrnehmung - gehört zu haben.

Aufgrund der Anfrage des WDR habe ich meine E-Mail-Accounts zum betreffenden Zeitraum

nochmals ausführlich und umfassend durchsucht, wobei ich auf eine E-Mail eines Anonymus, die an

meinen damaligen Mitarbeiter/Team-Koordinator, Theo Maucher gerichtet war und die mir dieser wohl

weitergeleitet hatte, entdeckt habe. Dieser Vorgang war seinerzeit am 12.7.2008, nach der 8. Etappe

der Tour de France. Wenn ich die betreffende E-Mail möglicherweise anderen Personen im Team

gezeigt hatte, dann aufgrund der grundsätzlichen Thematik dem Teamarzt. Mir ist nicht erinnerlich, ob

ich diese z.B. dem seinerzeit Zuständigen vor Ort, Mark Schmidt, gezeigt oder ausgedruckt hatte. Ich

bin mir allerdings sicher, mit Fahrern nicht darüber gesprochen zu haben. Dazu hatte ich weder

Veranlassung noch Zeit, da ich am selben Abend noch einen langen und intensiven Telefonkontakt

mit einem potenziellen Sponsoren hatte, dem neben dem sonstigen Stress während der Tour mein

besonderer Fokus galt.

Die betreffende E-Mail habe ich unverzüglich nach dem Auffinden durch meinen Rechtsanwalt, Herrn

Markus Höss, sowohl dem Landgericht Stuttgart als auch dem WDR (diesem sogar noch vor

Ausstrahlung der oben genannten Sendung) weitergeleitet.

- Dr. Schmidt berichtet in dieser Mail, dass Sie vor der Tour einen anonymen Hinweis zur

Nachweisbarkeit von CERA bekommen haben, ebenfalls per E-Mail. Inwiefern stimmt diese

Aussage und haben sie die E-Mail des Hinweisgebers noch?

=> Mein E-Mail Account enthält vom 6.11.2006 bis zum 12.7.2008 auf die Sucheingabe „CERA“ nur

die bereits genannte E-Mail von Theo Maucher. Zu der von Ihnen erwähnten E-Mail kann ich Stellung

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nehmen, wenn mir diese von Mark Schmidt an Dr. Lehner vorgelegt wird; wie andere Dokumente

auch, die dem WDR bei seinem Beitrag vorgelegen haben, die dieser uns allerdings – trotz

Aufforderung hierzu - nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung gestellt hat, mithin hier - im Übrigen

nicht zum ersten Mal - ganz offensichtlich die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt wurde.

Aber einmal angenommen, es wäre tatsächlich so, wie dem Hörensagen nach von Dr. Mark Schmidt

behauptet wird, dann gilt nach den Denkgesetzen der Logik doch wohl Folgendes:

Die Tatsache, dass aufgrund einer solchen E-Mail - im Übrigen auch nicht nach der E-Mail vom

12.7.2008 - keine Mannschaftssitzung, kein einziges Krisengespräche o.ä. stattgefunden haben, ist

doch geradezu der Beweis dafür, dass ich den Gebrauch von Cera im Team nicht einmal vermutet

hatte, ganz abgesehen davon, dass ich Cera vor dem 17.7. nicht kannte. Kein Mensch ignoriert eine

solche Warnung, wenn er auch nur die leiseste Ahnung hat, er könnte davon betroffen sein.

- Planen Sie dem Gericht mitzuteilen, dass Ihre Aussage vor der 16. Großen Strafkammer

nicht mehr dem aktuellsten Stand ihrer Erinnerung entspricht?

=> Meine Aussage entspricht nach wie vor dem aktuellsten Stand meiner Erinnerungen.

Möglicherweise sollten die Teile der Medien, die tatsächlich und nicht nur vordergründig kritischen

Journalismus betreiben, allerdings dazu übergehen ganz andere Fragen (siehe meine Hinweise

eingangs dieser Stellungnahme) zu stellen - die der Bedeutung dieser Sache und dieses Verfahrens

für den künftig dann auch staatlich führbaren Kampf gegen das Doping und die Abschreckung anderer

Sportler, gerecht werden.

Mögen Sie mich als naiv Handelnden darstellen, der insbesondere durch die Entwicklungen im

Radsport und den Anti-Doping-Kampf insbesondere in den Jahren 2007 und 2008 absolut davon

überzeugt war, dass der Kampf gegen die Doping-Kriminalität gewonnen werden könne. Ich für

meinen Teil habe hierzu einen entsprechenden Beitrag geleistet. Ich habe insbesondere in meinem

Team keine Strukturen geschaffen (welche und wie auch ganz konkret, Herr Schumacher, Herr Lehner?) die Doping

geduldet, toleriert oder gar einen Anreiz dazu gegeben hätten. Hierzu gibt es eine Vielzahl von

stichhaltigen Beweisen die Schumachers Behauptungen klar widerlegen. Jeder der von geduldetem

Doping im Team Gerolsteiner spricht, lügt aus egoistischen und/oder revanchistischen Gründen.

Ich habe den Fahrern nicht die Sicherheit gegeben, die diese für etwaige unzulässige Dopingpraktiken

gebraucht haben. (Man beachte hier auch entsprechend die Zeugenaussagen von des Dopings

unbelasteter Teammitglieder, die offenbar bislang auch seitens der Medien so gut wie nicht

wahrgenommen werden.) Diese Sicherheit mussten diese sich extern in ihren selbstgeschaffenen, in

weiten Teilen insoweit organisiert kriminellen Netzwerken aufbauen. Zu diesen Netzwerken gehörten

nach meiner Einschätzung entsprechende Berater, Ärzte, Manager, und andere Helfershelfer, die

wiederum selbst sehr gut vernetzt waren, wie letztlich im weiteren Sinne auch Anwälte, die ebenfalls

zur Absicherung erforderlich waren und sind.

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Ersichtlich bin ich mit meiner unnachgiebigen Art zum Thema Doping vielen Leuten auf die Füße

getreten und habe diesen das Geschäft vermiest, wenn nicht gar Existenzen ruiniert. Ich habe keinen

geschont – dafür rächt sich jetzt so mancher! Der sich aus meiner Schonungslosigkeit gebildet

habende latente Revanchismus hat sich organisiert und treibt jetzt seine Lügenspiele auf den Punkt.

Vielleicht sollte wirklich investigativer Journalismus dahin gehend betrieben werden, zu ergründen, bei

wem diese Informationen und Netzwerke letztlich zusammen laufen und für wen dies letztendlich

tatsächlich ein Riesengeschäft bedeutet. Die Antworten liegen doch eigentlich auf der Hand, man

braucht sich nur die Liste der Beteiligten betrachten und nach den Hauptinformationslieferanten der

Medien fragen. Ebenso ob hier nicht eine Instrumentalisierung erfolgt, die – einer klaren Strategie

folgend - eher der Verschleierung der tatsächlichen Verhältnisse dient, als einen objektiven Einblick

erlaubt.

Völlig absurd ist es, dass derjenige, der dem Doping die Stirn geboten hat, nun von Leuten wie dem

lebenslang gesperrten österreichischen Ski-Trainer Mayer oder dem Dopinglieferanten Matschiner,

unsäglich dreisten und skrupellosen Dopingtätern, wie Stefan Schumacher mit seinen hierzu

geschaffenen Netzwerken, sowie perfiden Dopinggehilfen, wie Dr. Mark Schmidt, insoweit

weitestgehend unhinterfragt verleumdet werden darf.

Ach ja und zum Manager von Schumacher findet man den folgenden Hinweis bei cycling4fans:

Mit freundlichen Grüßen

Hans-M. Holczer

PS: Rechtliches (dargestellt von RA M. Höss):

Warum geht Schuhmacher mit seinen Verteidigern so vor?

Es gibt drei Szenarien, auf die es einzig rechtlich im Prozess ankommt:

Es liegt, wie in der Anklageschrift nach den umfassenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

angenommen, ein Fall des vollendeten vorsätzlich begangenen Betrugs vor.

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Dies ist immer dann der Fall, wenn der Geschädigte (das Betrugsopfer), hier der ehemalige

Vertragspartner von Stefan Schumacher, die HSM GmbH, vertreten durch den GF H.-M- Holczer,

durch eine Täuschung des Täters veranlasst einem Irrtum erlag und dadurch eine

Vermögensverfügung, hier die Bezahlung der vertraglichen Gegenleistung an Schumacher,

vorgenommen hat. Schuhmacher war vertraglich verpflichtet seine Leistungen ohne Doping zu

erbringen. Hierüber hat er seinen Dienstherrn getäuscht, indem er entgegen seiner eigenen

Behauptung auf konkrete Ansprache stets behauptet hat, seine Leistung dopingfrei zu erbringen.

Aufgrund entsprechender Vertragsklauseln, wiederholter persönlicher Nachfragen und aufgrund

dieser Täuschung durch Schumacher erlag sein Vertragspartner, in Person von Holczer, einem Irrtum,

so dass er monatlich Gelder an Schumacher ausbezahlte, weil er davon ausging, dass dieser seine

Leistung regulär erbracht hat. Dies hätte er nicht getan, wenn Schumacher am Abend des 17.7.2008

Doping auf konkrete Nachfrage gestanden hätte.

1. Szenario:

Ein solcher Fall des vorsätzlichen vollendeten Betrugs liegt auch dann vor, wenn Holczer aufgrund der

Ereignisse vom 17.7.2008 erhebliche Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Schilderungen und

Angaben von Schumacher hatte, möglicherweise ihm in diesem Moment auch nicht mehr glaubte,

durch die in der Folge allerdings ausgebliebene - andernfalls zwingend zu erwartende - Rückmeldung

einer positiven Dopingprobe (wie zB im Fall Ricco), es zumindest für möglich hielt, dass Schumacher doch

die Wahrheit gesagt haben könnte und somit die Auszahlung vornahm. So liegt hier der Fall. Holczer

hat im Prozess als Zeuge angegeben, dass ihm in der Folge des 17.7.2008 immer mehr Zweifel

kamen, ob er nicht gegebenenfalls übersensibilisiert reagiert und Schumacher zu hart angegangen

hatte, nachdem sich letztlich der zwingend erwartete positive Dopingtest nicht einstellte und es daher

letztlich als Tatsache für sich selbst angesehen hatte, dass Schumacher wohl doch sauber war.

2. Szenario:

Sollte es so gewesen sein - wie tatsächlich jedoch nicht -, dass Holczer Schumacher nach dem

17.7.2008 nicht mehr geglaubt hat und auch nicht mehr für möglich erachtet haben sollte, dass die

Angaben von Schumacher wahr sein könnten, Holczer also einen täuschungsbedingten Irrtum nicht

erliegt (zB. der insoweit völlig anders gelagerte Fall Leipheimer), er allerdings dennoch Zahlungen an

Schumacher veranlasst hat, obwohl er dessen List durchschaut hatte, jedoch keine Chance sah - z.B.

mangels positiven Dopingtests -, diese zu beweisen, läge dennoch eine Straftat als Vergehen des

versuchten Betrugs seitens Schumacher vor. So liegt der Fall allerdings nicht (s. oben).

3. Szenario:

Der Verteidigung gelingt es Beweise zu erbringen, wonach Holczer in Dopingpraktiken von

Schumacher eingeweiht war, positiv von diesen wusste oder zumindest dieses Szenario als realistisch

für sich ansah und dies erkennbar duldete, so dass durch die Täuschungshandlungen von

Schumacher bei ihm kein Irrtum erregt werden konnte und daher die Vermögensverfügung ihrerseits

im Rahmen dieser Duldung entsprechender Praktiken in Form der Zahlungen an Schumacher erfolgte.

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Allein diesem Umstand ist es nunmehr geschuldet, dass die Verteidigung mit allen Mitteln, die in

dieser obigen Erklärung von H.-M. Holczer auch geschildert und entlarvt wurden, dieses Ziel verfolgt,

nachdem alle anderen Versuche das Verfahren zu vermeiden - so eine Einstellung gegen eine

Zahlung einer Geldbuße zu erwirken oder einen Täter-Opfer-Ausgleich mit Holczer zu erreichen -,

zuvor gescheitert waren. Erst als dies klar war, kam es zum Dopinggeständnis von Schumacher, in

quasi aller letzter Minute, wenige Tage vor Prozessbeginn, im Spiegel entsprechend inszeniert. Nur

ein entsprechendes Dopinggeständnis konnte Schumacher die Möglichkeit eröffnen, diese ihm einzig

noch verbliebene Verteidigungsstrategie zu nutzen, nämlich eine Mitwisserschaft von Holczer zu

konstruieren, die denknotwendig natürlich nur glaubhaft gemacht werden kann, wenn Schumacher

sein eigenes Doping einräumt. Allein hierin ist auch der Grund zu sehen, dass wiederum als Zeugen

für die Behauptungen von Schumacher in Bezug auf Holczer nur im Kreise derer zu finden sind, die in

die Dopingmachenschaften selbst ihrerseits verstrickt waren bzw. sind, und hier nun Ihre Chance

sehen, sich zur revanchieren und/oder sich selbst mit medialer Hilfe in ein besseres Licht zu rücken,

indem sie scheinbar an einer „Aufklärung“ mitwirken.

Dieses Verteidigungsziel kann nur dadurch erreicht werden, dass die Glaubwürdigkeit des

Hauptbelastungszeugen Holczer - um erkennbar wahrhaft jeden Preis - erschüttert wird - hierfür ist

den notorisch völlig skrupel- und gewissenlosen Tätern und Ihren Netzwerken bekanntlich jedes Mittel

recht. Indes objektive Beweise beizubringen sind und waren diese Netzwerker nicht in der Lage, so

beschränkt sich deren Beweiskonstrukt auf unhaltbare Aussagen, die sich im Kreis jener Mitglieder

dieses Netzwerkes erschöpfen.

Wie Herr Lehner als Jurist zu der Einschätzung gelangen kann, dass das Verfahren für seinen

Mandanten mit einem Freispruch enden werde, erschließt sich danach nicht und scheint doch eher

dem Wunsch des Äußerers zu entspringen. Aber genau aus diesem Grunde äußert und streut Lehner

dies in den Medien, um hier tunlichst den Boden für eine allgemeine Stimmungslage zu bereiten, in

der Hoffnung vielleicht so noch ein blasses „in dubio pro reo“ für seinen Mandanten herbeizubeten, für

welches es allerdings angesichts der klaren Beweislage nach den Aussagen von Holczer als Zeuge

keinen Raum gibt, will man sich als Gericht der Aufgabe dieses Verfahrens stellen - und dieses

Gericht wird sich dem stellen.